„Ja, der Aufwand hat sich gelohnt”, sind sich Jannik Sandmann und Dr. Marco Jost sicher und meinen damit die Installation der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ihres Vereinsheims. Die beiden sind Mitglieder des Vereins FC Rot-Weiß Lessenich e.V., der seit 2024 eine Solaranlage auf dem Vereinshaus, ebenfalls in Vereinshand, in Bonn-Lessenich betreibt. In unserem Online-Austausch teilten sie ihre Erfahrungen und beantworteten die vielen Fragen von anderen Vereinsmitgliedern aus dem Rhein-Sieg-Kreis, die Ähnliches planen oder bereits umsetzen.
Denn schwankende Energiekosten machen auch vor Vereinen nicht Halt – viele Anfragen zu dem Thema, wie man die Energieversorgung des Vereins zukunftsfähiger macht, erneuerbare Energien in den Blick nimmt und Kosten senkt, waren Anlass für uns, einen Informations- und Erfahrungsaustausch genau zu diesem Thema zu organisieren. Mit dabei war auch PV-Experte Nils Becker von der Energieagentur Rhein-Sieg, der später noch auf einige Besonderheiten für Vereine einging und verschiedene Betreiber-Modelle vorstellte. Darunter auch Lösungen für Vereine mit kleinem Budget oder gemieteten Vereinsheimen.
Der Verein Rot-Weiß Lessenich (RWL) aus Bonn, der knapp 1000 Mitglieder hat und neben der Hauptsparte Fußball auch weitere Sportarten anbietet, konnte vor einigen Jahren das Vereinshaus von der Stadt abkaufen und ist so mit Eigentümer des Gebäudes. Ab 2023 hatten der Vorsitzende Marco Jost und Jannik Sandmann, Nachhaltigkeitsbeauftragter des RWL, mit Hilfe eines Energieberaters mit der Planung der PV-Anlage begonnen: Die Statik des Gebäudes und erforderliche Dämmmaßnahmen wurden geprüft und ob sich parallel der Bau einer Wärmepumpe lohnt. Die frühzeitige Einbindung des örtlichen Stromnetzbetreibers – in Bonn die SWB – zur späteren Abnahme der Anlage hatte sich sehr bewährt und sei zu empfehlen.

Fotos: FC Rot-Weiß Lessenich e.V.
68 Solarmodule konnten schließlich mit dem Einsatz von 45.000 Euro Materialkosten auf dem Dach installiert werden, die an zwei Wechselrichter und ein Batteriesystem angeschlossen wurden. Da Vereine oftmals am meisten Energie abends oder zu bestimmten Terminen verbrauchen, wenn die Sonne nicht mehr scheint, ist die zusätzliche Anschaffung eines Batteriespeichers zu empfehlen: Der FC Rot-Weiß Lessenich hat sich für einen Speicher mit 14,4 kWh entschieden. Zudem konnten die Bonner ihr Heizsystem auf eine Wärmepumpe umstellen sowie zwei Ladesäulen für E-Autos mit weiteren 9.500 Euro und Fördergeld vom Landesprogramm NRW anschließen.
Die Leistung von 27,2 kWp (Kilowatt-Peak) der PV-Anlage nebst Speicher sorgt nun dafür, dass das Vereinshaus seit Juli 2024 bis heute energieautark wurde: Hundert Prozent des Eigenbedarfs inklusive Wärmepumpe und Ladesäulen werde über die Sonnenenergie abgedeckt, so die Vereinsvorstände. Überschüssige Energie könne in das Stromnetz eingespeist werden und bringe zusätzliche Einnahmen. Neben der enormen Kosteneinsparung im laufenden Betrieb rechnen der Verein mit der Amortisierung der Investitionskosten nach knapp 12 Jahren.
Nils Becker von der Energieagentur Rhein-Sieg ging im Anschluss auf rechtliche und finanzielle Bedingungen ein: So wies er z.B. darauf hin, dass durch eine gesetzliche Anpassung seit diesem Jahr auch die Gemeinnützigkeit kein Problem mehr sei, wenn man als Verein eine Solaranlage betreibt – solange sie nicht zum Hauptzweck des Vereins wird. Wenn zunächst das Geld für eine Solaranlage auf dem Dach fehlt und auch nicht genügend Spendengelder aufgebracht werden können, könnte ein externer Betreiber gesucht und das Dach verpachtet werden, so der PV-Experte. Sollte der Verein selbst „nur“ Mieter des genutzten Gebäudes sein, gäbe es das Modell, das Dach für den Betrieb einer Solaranlage zu pachten (dabei muss eine lange Laufzeit vereinbart werden) oder den Vermieter zur Installation zu bewegen, der dann den Strom an den Verein verkauft.
Zudem erinnerte Nils Becker an die neue Solarpflicht nach § 42a BauO, die seit diesem Jahr für Nichtwohngebäude, also auch Vereinsheimen, gilt, wenn deren Dächer komplett erneuert werden.
Marco Jost und Jannik Sandmann konnten auf Nachfrage der Teilnehmenden nicht genau sagen, wie viele ehrenamtliche Stunden für das Projekt nötig waren. Doch sind sie so zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Anlage, dass sie den Teilnehmenden den Tipp auf den Weg gaben, sobald ein Gerüst am Gebäude für anderes wie z.B. Anstrich oder Dämmung nötig ist, direkt auch PV aufs Dach zu setzen. Schließlich ist ihr Motto als Fußballverein: „Das Runde muss ins Eckige“ – und in diesem Fall sind nicht Ball und Tor, sondern Sonne und Solar-Modul gemeint.
Ihr Verein hat ebenfalls Interesse an einer PV-Anlage, Sie benötigen dabei Unterstützung oder haben Fragen zu dem Thema? Melden Sie sich gerne bei uns. Oder ist Ihr Verein mit dem Prozess von der ersten Idee bis zum Betrieb einer Solaranlage schon durch, Sie haben ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht und möchten diese gerne teilen? An weiteren Praxis-Beispielen aus dem Rhein-Sieg-Kreis sind wir immer interessiert!
Präsentation PV für Vereine – zusammengefügt
https://www.bonner-energie-agentur.de/fachleute/fachleute-finden/