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Balkonsolar beim Bürgerverein Werthhoven

Weitere Balkonscouts im Rhein-Sieg-Kreis gesucht

 

Vier Solarmodule hängen jetzt an der Fassade des „Pössemer Treffs“, einem Vereinshaus in Wachtberg-Werthhoven. Die Anlage trägt gemeinsam mit einem Stromspeicher zur nachhaltigen Stromversorgung der Vereinsaktivitäten bei, spart Geld und soll als Anschauungsobjekt und für Schulungszwecke dienen. Den gesamten Strombedarf des Gebäudes kann die Anlage zwar nicht allein decken, doch sogenannte Balkonkraftwerke, von denen mittlerweile fast 1,4 Millionen in Deutschland installiert sind, machen einen immer größer werdenden Anteil an der solaren Stromerzeugung aus.

Das Dorfhaus „Pössemer Treff“ ist das zentrale Gemeinschaftsprojekt des Bürgerverein Werthhoven 1972 e.V., das über Jahre mit viel ehrenamtlichem Engagement aus einer alten Schule aus- und umgebaut wurde und in dem heute zahlreiche Feste, Zusammenkünfte und ein Jugendtreff stattfinden. Das Gebäude gehört der Gemeinde Wachtberg, so dass der Dorfverein nicht selbst über die Energieversorgung bestimmen kann. Doch Nachhaltigkeit ist Hans-Joachim Duch, seit 33 Jahren Vereinsvorsitzender, wichtig: Neben beispielsweise plastikfreien Veranstaltungen hat er zusammen mit dem frisch ernannten „Balkonscout“ Norbert Kustermann initiiert, dass nun Solarmodule am Vereinshaus angebracht wurden. Zusätzlich haben sie einen Stromspeicher installiert, wodurch der Strom, der tagsüber von der Sonne erzeugt wird, zu den abendlichen Veranstaltungen direkt genutzt werden kann.

Beratung und Hilfe für die erste eigene Anlage

Stecker-Solargeräte, wie Balkonkraftwerke offiziell genannt werden, sind auch für zu Hause eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, selbst Strom zu erzeugen, egal ob Mietwohnung oder Eigentum. Da sie unkompliziert zu installieren sind – einfach in eine Steckdose stecken und schon wird Solarstrom für den eigenen Haushalt produziert – können Balkonkraftwerke problemlos selbst aufgebaut werden. Erlaubt sind maximal 800 Watt (AC) am Wechselrichter und maximal 2.000 Watt (p), was etwa vier Modulen entspricht. In den letzten Jahren hat sich vieles vereinfacht für den Anschluss eines Balkonkraftwerks, weiß auch Norbert Kustermann: „Früher haben die Module 30-40 Kilogramm gewogen, heute sind 15 bis 20 normal. Es gibt sogar Elemente, die nur 3,5 Kg wiegen.“

Der Bauingenieur und Projektentwickler, ebenfalls Vereinsmitglied und Werthhovener, steht nun für Dorfbewohner/-innen als „Balkonscout“ zur Verfügung. Wer Hilfe bei der Information, Beschaffung und Installation der privaten Anlagen sucht, kann sich an ihn wenden und Fragen klären wie zum Beispiel: Welcher Standort eignet sich (es muss nicht zwingend der Balkon sein!), wie bringt man das Gerät an, was ist genau erlaubt? Ratsuchende wenden sich an den Bürgerverein unter www.werthhoven.de und erhalten so kostenlose, individuelle und hersteller-unabhängige Unterstützung – per Telefon oder direkt vor Ort.

 

Norbert Kustermann und Hans-Joachim Duch vor dem Balkonkraftwerk am Pössemer Treff in Wachtberg-Werthhoven. (Foto: Bürgerverein Werthhoven 1972 e.V.)

 

Weitere Balkonscouts im Rhein-Sieg-Kreis gesucht

„Abgeguckt“ haben sich die Wachtberger diese Unterstützung zum Ausbau von Balkonkraftwerken bei dem ehrenamtlichen Balkonscout-Projekt aus Vilich-Müldorf, einer Initiative des dortigen Bürgervereins und des Klimaviertels Beuel-Mitte. Die Initiative möchte das Bonner Netzwerk aus ehrenamtlichen Balkonscouts im Rhein-Sieg-Kreis weiter ausweiten und sucht Interessierte, die für die regionale Energiewende aktiv werden wollen. Wer sich das nötige Knowhow draufschaffen und praktisch ausprobieren möchte, für den bieten die Bonner im Oktober 2026 erstmals eine Wochenendschulung an. Alles Weitere dazu und anschauliche Infos für Einsteiger/-innen in das Thema Steckersolargeräte, inklusive Anleitungen, finden sich auf der Webseite des Vereins: https://www.bv-vilich-mueldorf.de/solarberatung/.

Viele kleine Schritte, viele Mitmachende für die Energiewende

Auch anderswo im Rhein-Sieg-Kreis gibt es ehrenamtliche Unterstützung für eine erste Stecker-Solaranlage. Der Verein Hennef Power z.B. schafft regelmäßig neue Module für Interessierte an, um bei dem Gemeinschaftskauf Vergünstigungen zu erhalten.

Der Gemeinschaftsgedanke und die gute Vernetzung des Dorfvereins hat sich auch in Werthhoven ausgezahlt: Die Geräte wurden vom Startup greenlimon technologies gmbh gesponsert, dessen Inhaber und Geschäftsführer Haiwei Zhao ebenfalls Mitglied im Dorfverein ist. Jährlich wird ein weiteres Balkonkraftwerk als Hauptpreis für die St.-Martin-Verlosung an die Dorfbewohner/-innen gesponsert. Hans-Joachim Duch hat für den Pössemer Treff noch weitere Pläne: Eine Ladesäule für E-Bikes und Elektroautos, sowie langfristig, dann in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wachtberg, eine größere Solaranlage auf dem Dach, die auch benachbarte Gebäude wie den Kindergarten und das Jakobushaus direkt mit Sonnenstrom versorgt.

Wenn Viele mitmachen und auch Verfahren und Vorschriften weiter vereinfacht werden, schreitet die Energiewende durch Bürgerhand mit kleinen und großen Schritten voran.

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