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Bürgersolarpark in Much ist fertig

Ein weiteres Beispiel für die bürgerschaftlich getragene Energiewende in unserer Region gibt es jetzt in Much: Der erste Bürgersolarpark in unserer Region ist fertiggestellt und geht bald ans Netz.

 

Bürgersolarpark – was ist das?

Bürgersolarparks sind Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen, die von regionalen Bürgerenergiegenossenschaften betrieben werden und an denen sich BürgerInnen finanziell beteiligen können. In Much wird die Freiflächen-PV-Anlage von der BürgerEnergie Rhein-Sieg betrieben. Die Bürgerenergiegenossenschaft ist bereits seit 15 Jahren im Rhein-Sieg-Kreis und Umgebung aktiv und hat unter anderem Carsharing-Projekte, Ladesäulen und Dach-PV-Anlagen realisiert. Mit dem Bürgersolarpark in Much wird jetzt ihr bislang größtes Projekt fertiggestellt.

Dafür ist das notwendige Eigenkapital nach einer Info-Veranstaltung vor Ort innerhalb von 6 Wochen zusammengekommen. Insgesamt haben sich über 500 BürgerInnen aus der Region beteiligt.

Damit die Gewerbesteuereinnahmen auch vor Ort wirken können, hat die Genossenschaft eine lokale Betreibergesellschaft gegründet. Somit profitiert die Gemeinde Much direkt von dem Bürgersolarpark. Dieser hat eine Leistung von 9,8 Megawatt Peak, womit etwa 2.900 durchschnittliche Haushalte versorgt und ca. 3.000 Tonnen CO 2 pro Jahr eingespart werden. Auch ein Batteriespeicher ist geplant, aber die Finanzierung und Realisierung des Solarparks hat erstmal Priorität für die Genossenschaft.

Thomas Schmitz führt die Besuchergruppe über das Gelände.

 

Die Rolle der Kommune

Ende September organisierten wir eine Führung für VertreterInnen aus Verwaltung und Kommunalpolitik, die sich mit Entscheidungen rund um Freiflächen-PV-Anlagen befassen, da die Entscheidungs- und Gestaltungshoheit dafür bei den Kommunen liegt.

Thomas Schmitz und Christian Holz, beide im Vorstand der BürgerEnergie Rhein-Sieg, führten gemeinsam mit dem Mucher Bürgermeister Karsten Schäfer und Kathrin Kemmerling, zuständig für die Mucher Bauleitplanung, über die Anlage und berichteten, dass im Januar 2024 die Aufstellung des Bürgersolarparks bei der Gemeinde Much beantragt wurde. Bereits 10 Tage später gab es den Aufstellungsbeschluss. Das ging so schnell, weil der Ausschuss für Energiewende und die Gemeinde bereits vorher einen Kriterienkatalog erarbeitet haben.

Eine weitere Orientierungshilfe bietet das Freiflächen-PV-Konzept des Rhein-Sieg-Kreises, bei dem sich die Kommunen und BürgerInnen einen ersten Überblick verschaffen können.

Obwohl die Abstimmungen zwischen der Gemeinde und der BürgerEnergie Rhein-Sieg sehr gut funktioniert haben, hat es vom Pachtvertrag mit dem Flächenbesitzer bis zur Inbetriebnahme rund 3 Jahre gedauert. Der Grund dafür sind die verschiedenen Voraussetzungen, die vor dem Bau einer Freiflächen-PV-Anlage erfüllt werden müssen und die von weiteren Akteuren geprüft werden. So waren neben der Baugenehmigung noch geologische Gutachten, die wasserrechtliche Erlaubnis und die Regelung des ökologischen Ausgleichs nötig. Nun steht nur noch der Netzanschluss durch den Netzbetreiber aus, der mehrfach verschoben wurde und auf den die Genossenschaft sehnlichst wartet.

Christian Holz erklärt den Entstehungsprozess.

 

Umgang mit Flächenkonkurrenz

Die Energiewende wird angesichts des Klimawandels sowie der zunehmenden Wichtigkeit von Energieunabhängigkeit immer drängender, gleichzeitig werden Solarmodule immer effizienter. Dabei steigt jedoch auch der Druck auf Flächen stetig durch Landwirtschaft, Wohnungsbau, aber eben auch Infrastrukturprojekte wie Freiflächen-PV-Anlagen.

Daher gilt es, diese auf Flächen zu errichten, die aus Naturschutz- und Landwirtschaftsperspektive weniger wertvoll sind. Dabei bieten sich Flächen an, die entweder versiegelt oder vorbelastet sind, wie zum Beispiel Parkplätze, Seitenflächen von Autobahnen oder Deponien.

Bei dem Gelände in Much handelt es sich größtenteils um eine ehemalige Erddeponie. Es wurde zuvor von dem Flächenbesitzer als Weide genutzt, der seinen Tierbestand reduziert hat und die Fläche seitdem nicht mehr benötigt. Ab dem nächstem Jahr ist die Beweidung durch Schafe geplant, wodurch die Fläche wieder als Weide, zeitgleich aber auch zur Energieerzeugung und somit doppelt genutzt werden kann.

Im Zusammenhang mit der Flächenkonkurrenz werden auch immer wieder Bedenken hinsichtlich des Eingriffs in die Natur durch solche Projekte geäußert. Die BürgerEnergie Rhein-Sieg ist daher im Kontakt mit der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn, um die Entwicklung der Biodiversität auf dem Gelände des Bürgersolarparks untersuchen zu lassen. Für ein ähnliches Projekt in Meckenheim ist die Genossenschaft mit Naturschutzgruppen im Austausch, um zu schauen, wie solche Projekte gestaltet werden können, um die vorhandene Natur- und Tierwelt besser zu schützen.

 

Genossenschaftlich organisierte Bürgerenergieprojekte wie der Bürgersolarpark Much sind ein weiteres Beispiel, wie BürgerInnen an der Energiewende in unserer Region teilhaben, sie mitgestalten und von ihr profitieren können. Die bürgerschaftliche Beteiligung hat die Realisierung dieses Großprojekts vor Ort ermöglicht, das die regionale Energiewende beschleunigt und dessen Gewinne in der Region bleiben. Bei Großprojekten wie Solarparks ist es wichtig, angesichts des Drucks auf Flächen Standorte auszuwählen, die versiegelt oder vorbelastet sind, nach Möglichkeit die Flächen doppelt zu nutzen und Naturschutzmaßnahmen mitzudenken, so wie es hier geplant ist.

Wir danken der BürgerEnergie Rhein-Sieg und der Mucher Verwaltung für die Einblicke vor Ort. Auch der WDR war schon zu Besuch, hier können Sie reinschauen.

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